Konstanz für Flüchtlinge

Anschlussunterbringung

Asylbewerber oder Asylfolgeantragsteller verlassen die jeweilige Gemeinschaftsunterkunft, sobald eine unanfechtbare Entscheidung über den Asylantrag vorliegt (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 FlüAG), oder 24 Monate nach Aufnahme durch das Landratsamt. Mit Verlassen der Gemeinschafts-unterkunft brauchen diese Menschen eine alternative Wohnmöglichkeit. Sofern schon weitere Bekannte in Deutschland sind, findet zu diesem Zeitpunkt oftmals ein Umzug statt. Ist es den Asylbewerbern nicht möglich, eigenständig eine Wohnung zu finden, sind die Städte und Gemeinden verpflichtet, ein Unterkommen in einer Anschlussunterbringung zu ermöglichen. Die in Konstanz sowieso herrschende Wohnungsknappheit macht es für Flüchtlinge noch schwieriger, Wohnungen selbst anzumieten, wodurch die Verpflichtung der Stadt Konstanz, Anschlussunterbringungen zur Verfügung zu stellen, wächst.

 

Derzeit sind Prognosen über die Anzahl zu schaffender Wohnungen für Flüchtlinge aufgrund fehlender verlässlicher Datengrundlagen schwer zu treffen. Dennoch muss eine Stadt von einem Szenario ausgehen, um zeitnah handlungsfähig zu sein. Die Stadt Konstanz geht von einer notwendigen Wohnbebauung für Flüchtlinge von jährlich 200 Wohneinheiten für die kommenden Jahre aus – immer vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene ändern sich nicht gravierend. Diese Zahl gründet auf der Annahme einiger größerer Städte in Baden-Württemberg, die von einer 1:1 Relation der Anzahl von Flüchtlingen ausgeht, die dauerhaft in der Kommune bleiben. Bei einer Anzahl von 781 Flüchtlingen (Stand 22.01.2016 Meldewesen Stadt Konstanz) wurde eine Anerkennungsquote von 50% der Asylbewerber angenommen und einen Familiennachzug (4 Personen) von 25% der anerkannten Flüchtlinge. Dies ergibt wieder eine Gesamtzahl von 781 Flüchtlingen, die in Konstanz eine Wohnung suchen werden. Bei 4 Personen pro Wohneinheit müssten damit knapp 200 Wohnungen für diese Zielgruppe zusätzlich jährlich gebaut werden. Sobald verlässlichere Daten vorliegen, wird das Szenario laufend entsprechend angepasst.

 

Aktueller Stand

Die Wohngebäude an den Standorten Egg und Zergle werden derzeit errichtet.

Zielsetzung ist, ein dezentrales Wohnangebot für bleibeberechtigte Flüchtlinge zu schaffen. Die Wohneinheiten sollen über das gesamte Stadtgebiet verteilt und in sinnvolle, kleine Einheiten gegliedert werden, die weitestgehend sozial durchmischt sind. Mit einer dezentralen Verteilung soll eine positive Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration der neuen BürgerInnen geschaffen werden.

 

Standortsuche für Anschlussunterbringungen

Weiterhin benötigte Standorte wurden folgenden Kriterien ausgewählt und bewertet:

  • Flächenverfügbarkeit: die Flächen sollten weitestgehend verfügbar sein, um eine rasche Entwicklung zu ermöglichen
  • Verteilung im Stadtgebiet: die Flächen sollten so im Stadtgebiet liegen, dass nicht ein einzelner oder wenige Stadtteile die Hauptlast der Entwicklung tragen, sondern möglichst alle Stadtteile ihren Beitrag leisten
  • Flächeneigenschaften: die Flächen sollten groß genug sein, um vor dem Hintergrund des bestehenden Wohnungsdrucks eine städtebaulich sinnvolle Flächenausnutzung realisieren zu können. Für die Art und Dauer der notwendigen Planverfahren sind die aktuellen Nutzungen sowie die Darstellungen im FNP bzw. Festsetzungen in bestehenden Bebauungsplänen auschlaggebend
  • Soziale Kriterien: Sozialverträglichkeit
  • Infrastruktur: ÖPNV Anbindung, KiTas, Schulen, Versorgungseinrichtungen

 

Sieben weitere Standorte

Als Ergebnis aus der stadtweiten Flächenprüfung sind aktuell folgende Standorte identifiziert worden. Hier können insgesamt ca. 70 - 90 Wohneinheiten realisiert werden:

1. Paradies: „Schottenstraße / städt. Parkplatz“ – Standort für MODELLPROJEKT (s.u.)

2. Petershausen West: „Friedhofserweiterungsfläche / Kirchengemeinde St. Suso“

3. Allmannsdorf: „Kirchgasse“

4. Dingelsdorf: „Am Sportplatz“

5. Wollmatingen: „Am Längerbohl“

6. Allmannsdorf: „Ortsausgang Gärtnerei“

7. Litzelstetten: „Kiga St. Peter und Paul“.

 

Modellprojekt

Parallel zur Standortsuche für weitere Sofortmaßnahmen wurde gemeinsam mit der WOBAK und dem Vorarlberger Architekturbüro Johannes Kaufmann ein durch das Büro entwickeltes Holzmodul für den Standort Konstanz weiterkonzipiert, um möglichst schnell weitere Wohnungen realisieren zu können. Die Wohnmodule in Holzrahmenkonstruktion sind je nach städtebaulicher Situation mehrgeschossig stapelbar. Zielsetzung ist, die zueinander gruppierten Gebäude „sozial gemischt“ zu belegen, um die Akzeptanz und den Integrationsprozess zu fördern. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades können die Module in geringer Bauzeit von nur ca. 3 Monaten errichtet werden.

 

Wohnen auf Zeit im Bestand

Neben dem Bau von weiterem Wohnraum für Flüchtlinge sollen und müssen verfügbare Wohnkapazitäten im Wohnungsbestand nutzbar gemacht werden. Die Akquise von privatem Wohnraum soll daher forciert (analog Obdachlosenunterbringung) und auch private Initiativen (Projekt  „83“) intensiv unterstützt werden.

Gleichzeitig sollen zusätzlich verstärkt Bestandsimmobilien, die bislang eher im Bereich der Gemeinschaftsunterkünfte interessant schienen, auch für die kommunale Flüchtlingsunterbringung unter dem Titel „Wohnen auf Zeit“ einbezogen werden. Zwischennutzungen und Umnutzungen mit standardisierten Mikrowohneinheiten werden bereits untersucht. Dafür ist die Stadt Konstanz insbesondere auf die Zusammenarbeit mit privaten Immobilienbesitzern angewiesen.

 

Integration in die laufenden Entwicklungen der Quartiere aus dem Handlungsprogramm Wohnen

Parallel zu den oben beschriebenen Sofortmaßnehmen, erfolgt die Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge in allen laufenden Quartiersentwicklungen im Rahmen des Handlungsprogramms Wohnen. Auf der Grundlage der aktualisierten Landesprognosen für Konstanz und der Szenarien für die erforderliche Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge beabsichtigt die Stadt Konstanz das Handlungsprogramm Wohnen fortzuschreiben.

 

Gemeinschaftsräume

Die Nutzfläche von Gemeinschaftsräumen soll, abgeleitet von Erfahrung bestehender Stadtteilzentren und vergleichbarer Einrichtungen, ca. 1 Quadratmeter/Bewohner betragen. Am einzelnen Standort soll sowohl die Funktionalität, Lage und Größe der Gemeinschaftsräume angepasst als auch die im Quartier bereits vorhandene soziale Infrastruktur für die Berechnung der Nutzfläche entsprechend berücksichtigt werden. Die Anforderungen an die Standards werden bei der Entwicklung der Sofortmaßnahmen bereits berücksichtigt.

 

Soziale Betreuung

Die Betreuung der Flüchtlinge erfolgt nach den gesetzlichen Vorgaben des Asylbewerberleistungsgesetzes und ist Aufgabe des Landkreises Konstanz als Untere Eingliederungsbehörde. Der Landkreis Konstanz hat hierzu mit den Verbänden der Liga der freien Wohlfahrtspflege eine Rahmenvereinbarung (v. 01.05.2015) abgeschlossen. Darin überträgt er die Betreuung der Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung auf die Verbände. Der Umsetzung liegt eine Konzeption zur Sozialbetreuung in der Anschlussunterbringung zugrunde.

Die Verbände haben dazu eine Verteilung der Zuständigkeit für jede Gemeinde im Landkreis bestimmt. Für die Stadt Konstanz ist bislang keine Zuordnung erfolgt. Dies soll mit dem Landkreis und der Liga der freien Wohlfahrtsverbände nachgeholt werden.

„FÜR eine Kultur der Anerkennung und GEGEN Rassismus“

Die Konstanzer Erklärung

Weitere Informationen

Stadt Konstanz

Flüchtlingsbeauftragter

Moustapha Diop

Untere Laube 24

78462 Konstanz

Telefon: 07531 / 900-540

Email: moustapha.diop@konstanz.de

Öffnungszeiten

Montag: 08:30 - 12:00
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