Konstanz für Flüchtlinge

Über 130 Personen aus Politik, Verwaltung, Ehrenamt und Gesellschaft – unter ihnen auch viele migrantische Organisationen und Geflüchtete – haben am Samstag, 20. Oktober 2018 an der ersten Integrationskonferenz des Landkreises Konstanz unter dem Motto „Gemeinsam.Vielfältig.Stark“ im Berufsschulzentrum Radolfzell teilgenommen.

 

„Ich bin beeindruckt vom großen Interesse am Thema Integration und der Bereitschaft, sich aktiv in die integrative Arbeit im Landkreis Konstanz einzubringen. Besonders freue ich mich dabei über die Teilnahme von migrantischen Organisationen, Migranten und Migrantinnen sowie Geflüchteten an der heutigen Konferenz. Wir wollen mit Ihnen sprechen und nicht über Sie“, so Landrat Frank Hämmerle in seiner Begrüßungsansprache. Ziel der Veranstaltung sei, einen offenen Dialog und Austausch zwischen den verschiedenen Zielgruppen zu ermöglichen und Integration als großes Ganzes in den Blick zu nehmen.

 

Bei der Podiumsdiskussion am Vormittag kamen unterschiedliche Expertinnen und Experten miteinander ins Gespräch und tauschten ihre Erfahrungen im Bereich Integration miteinander aus. Mit Bezug auf die das viel zitierte „Wir schaffen das“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte David Tchakoura, Integrations- und Flüchtlingsbeauftragter der Stadt Engen, dass der Fokus der Aussage auf dem „Wir“ liege und Integration nur als Gemeinschaftsaufgabe gelingen könne.

 

Die aus Syrien geflüchtete Heba Lala berichtete anschaulich von den kleinen und großen Herausforderungen im Alltag in Deutschland. Von Bürgermeisterin Ute Seifried wollte sie wissen, wie diese es als Frau geschafft habe, Bürgermeisterin zu werden. „Der Weg als Frau zur Bürgermeisterin ist sicherlich ähnlich steinig wie der der Integration“ antwortete Seifried und erzählte aus ihrem Arbeitsalltag als Sozialbürgermeisterin der Stadt Singen, aus dem das Thema Integration nicht wegzudenken sei.

 

Christiane Pieper von der Kulturbrücke Stockach engagiert sich ehrenamtlich im integrativen Bereich und wünscht sich, dass die deutsche Gesellschaft kulturelle Unterschiede als Bereicherung wahrnimmt. Worke Woldesemayat, die seit über dreißig Jahren im Landkreis Konstanz lebt, erzählte neben ihren eigenen Integrationserfahrungen in Deutschland und ihrer Unterstützung von Geflüchteten auch von ihrem Wunsch, in ihrem Heimatland Äthiopien positive Entwicklungen anzustoßen.

 

Nach dem ersten Gedankenaustausch auf dem Podium lag der Fokus der Konferenz auf dem Integrationskonzept des Landkreises. Dieses war Anfang des Jahres vom Kreistag verabschiedet worden. „Jetzt geht es darum, das Konzept gemeinsam mit Leben zu füllen“, betonte die Integrationsbeauftragte des Landkreises, Barbara Ette, die die zentralen Inhalte des Konzepts vorstellte. Neben den Handlungsfeldern Sprache, Arbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit sowie Kultur und Freizeit beschäftigt sich das Integrationskonzept auch mit weiteren integrationsrelevanten Themen wie der Beteiligung von Migrantinnen und Migranten, dem ehrenamtlichen Engagement, der Zusammenarbeit der Kommunen, der interkulturellen Öffnung und der Antidiskriminierung. Zusätzlich zu den konkreten Zielen und Maßnahmen enthält das Konzept Ideen und Anregungen für die Kommunen vor Ort sowie zahlreiche Beispiele erfolgreicher Projekte aus dem Landkreis.

 

Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich intensiver mit den Inhalten des Konzepts auseinanderzusetzen und eigene Anmerkungen, Kritikpunkte und Vorschläge einzubringen. Eine digitale Version des Integrationskonzepts steht allen Interessierten auf der Webseite des Landkreises unter www.LRAKN.de/integration zur Verfügung.

 

Anhand der zentralen Frage „Wer braucht was?“ beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Nachmittag schließlich in Arbeitsgruppen mit zielgruppenorientierten Integrationsansätzen. Dabei wurden die Zielgruppen Frauen, Kinder und Jugendliche, unbegleitete Minderjährige (UmA), Menschen mit schlechter Bleibeperspektive, Geflüchtete, Migranten und Migrantinnen, sowie die zweite und dritte Generation genauer in den  Blick genommen.

 

Besonders bereichernd waren die persönlichen Erfahrungsberichte von Personen aus den jeweiligen Zielgruppen, die als Experten und Expertinnen über ihren eigenen Integrationsprozess berichteten und aus der Perspektive der Betroffenen über Herausforderungen, Bedürfnisse und Mitwirkungsmöglichkeiten der verschiedenen Zielgruppen sprachen. Mouna Albasha aus Syrien, die in der Arbeitsgruppe Frauen mitwirkte, berichtete so zum Beispiel über die Schwierigkeit, einen Deutschkurs zu besuchen, ohne entsprechende Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder zu haben. In der Arbeitsgruppe „Zweite/dritte Generation“ berichtete Meryem Karaca, die als Tochter türkischer Eltern in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, über Identitätsfragen und Alltagsdiskriminierung mit der die zweite und dritte Generation oft zu kämpfen habe.

 

Die Integrationskonferenz ermöglichte den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre Perspektiven einzubringen, mit anderen in einen Dialog zu treten und mit dem einen oder anderen Impuls und Denkanstoß nach Hause zu gehen. Die Ergebnisse der Konferenz fließen in die Arbeit des Amts für Migration und Integration sowie in die integrativen Netzwerke des Landkreises mit ein.

Bei der Podiumsdiskussion kamen Experten und Expertinnen ins Gespräch. (Foto: Landratsamt Konstanz)

„FÜR eine Kultur der Anerkennung und GEGEN Rassismus“

Die Konstanzer Erklärung

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